Tropischer Regenwald

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Der Regenwald ist das stabilste, aber auch das empfindlichste Ökosystem der Erde. Der Regenwald befindet sich auf jedem Kontinent entlang der Äquatorialzone. Tropische Regenwälder existieren beidseits des Äquators bis ungefähr zum 10. Breitengrad, stellenweise aber auch darüber hinaus. Costa Rica liegt zum Großteil innerhalb dieses Bereichs.

Weltkarte des Tropenwaldes
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Unterscheidung

Je nachdem ob der Regenwald ursprünglich ist oder nicht unterscheidet man nach Primär- und Sekundärregenwald. Der Primärregenwald besitzt eine höhere Biodiversität an Arten. Dieser ursprüngliche Wald wächst seit Tausenden von Jahren. Die Lichtverhältnisse unterscheiden sich, da der Primärregenwald ein geschlosseneres Kronendach besitzt, die Bäume höher sind und darum das Licht kaum den Boden erreicht. Aus diesem Grund wachsen nur wenige Pflanzen am Boden und es gibt viele Epiphyten. Im Sekundärwald sind die Bäume jünger. Der Wettbewerb ums Licht ist geringer und die Pflanzen besitzen große Blätter sowie weiches und leichtes Holz aufgrund des schnelleren Wachstums.

Dann unterscheidet man den Regenwald weiter nach dem Standort, wie z.B. den tropischen Tieflandregenwald, den Bergregenwald und den Nebelwald. Wie der Name schon sagt, sind die Niederschlagsmengen im tropischen Regenwäldern nicht nur extrem hoch, sondern sorgen einerseits für die hohe Artenvielfalt und andererseits für einen nährstoffarmen Boden, da dieser regelmäßig von Mineralstoffen ausgewaschen wird. So fallen dort mindestens 2.500 mm Regen im Jahr, es kann auch gut das Dreifache der Regenmenge - in Nebelwäldern manchmal auch etwas weniger - sein. (Zum Vergleich: In Berlin fallen ca. 600-700 mm Regen im Jahr.)


Artenvielfalt

Der Regenwald bietet Unterschlupf für nahezu die Hälfte aller auf der Erde vorkommenden Tier- und Pflanzenarten, obwohl er nur noch 10% der Erdoberfläche bedeckt. Wenige Hektar können soviele Arten beheimaten wie der ganze europäische Kontinent! Der Regenwald als solcher ist Millionen von Jahren alt und hat im Laufe seiner Zeit Klimakatastrophen und Eiszeiten überlebt. Der ärgste Feind ist heute nur noch der Mensch, der den Regenwald gnadenlos abholzt.

Auf 1 ha Regenwald gibt es etwa 250 verschiedene Baumarten, 100 verschiedene Käferarten und 60-70 verschiedene Vogelarten. Zum Vergleich: In einem deutschen Mischwald gibt es ca. 5 verschiedene Baumarten, 1-4 verschiedene Käferarten und nur ca. 1-4 verschiedene Vogelarten.

Stockwerkbau

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Betrachtet man den tropischen Regenwald näher, so ist er in unterschiedliche Stockwerke unterteilt. Es lassen sich fünf Etagen deutlich unterscheiden. Das Dach des Regenwaldes bilden die sogenannten „Überständer“, Bäume von bis zu 60 Metern Höhe. Unter der Wipfelregion der Baumriesen erheben sich die Kronen der mittelhohen Bäume. Darunter befinden sich die Stäucher und die bodennahe Vegetation. Den Abschluss bildet die Bodenschicht aus dem Wurzelwerk der Pflanzen und einer meist sehr dünnen Humusdecke mit den darin siedelnden Kleinlebewesen, Bakterien, Algen und Pilzen.

Man unterscheidet folgende Höhenstufen des Ökosystems Tropischer Regenwald:

  • Alluvial: Die aluviale Vegetation entwickelt sich azonal (höhenunabhängig) entlang der regelmäßig überschwemmten Flußauen (Várzeas) entwickelt. Sie stellt auch die Gezeitenzonen der Küsten dar (Mangroven). Grenzt dieser landseitig an Offenland an, wird er auch als Galeriewald bezeichnet.
  • Planar: Die Lage der planaren Höhenstufe liegt zwischen 0 und 30 Metern ü. d. M. Die Vegetation dieser Höhenstufe wird allgemein als Tieflandregenwald bezeichnet.
  • Submontan: Die submontane Höhenstufe liegt zwischen 30 und 400 Metern ü. d. M. Die Vegetation dieser Höhenstufe wird allgemein als submontaner tropischen Bergregenwald bezeichnet.
  • Montan: Die montane Höhenstufe erstreckt sich zwischen 400 und 1.000 Metern ü. d. M. Die Vegetation dieser Höhenstufe wird allgemein als montaner tropischer Bergregenwald bezeichnet. Auch der Nebelwald beginnt manchmal schon in dieser Zone.
  • Hochmontan: Die Lage der hochmontanen Höhenstufe in Costa Rica beginnt oberhalb von 1.000 Metern. Die Vegetation dieser Höhenstufe wird allgemein als hochmontaner tropischer Bergregenwald oder auch als Nebelwald bezeichnet. Im Vergleich zur montanen Höhenstufe wird das Klima zunehmend kühler (ø 13°C) und die Böden zunehmend flachgründiger. Die Kondensation der vom Meer aufsteigenden feuchten Luftmassen hüllt diese Höhenstufe in weiten Teilen des Jahres in dichten Nebel ein (Nebelwald). Oberhalb 3.500 Metern kann man in Costa Rica rund um den Cerro de la Muerte und dem Cerro Chirripo das nördlichste Vorkommen der hochalpinen Vegetationsform Paramo vorfinden.

In jedem dieser Stockwerke hat sich eine eigene, perfekt angepasste Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. In den Kronen der Baumriesen klettern die Affen herum, leben Vögel und Reptilien. Zahllose Insekten gehen hier auf Nahrungssuche.

Die Baumwipfel des Regenwaldes bieten jedoch nicht nur eine immense Artenvielfalt, sie leisten auch einen entscheidenden Beitrag zur Regeneration der Erdatmosphäre. Die Blätter entziehen der Luft mittels Sonnenenergie Kohlendioxid. Mit Hilfe der Photosynthese wandeln sie das für die Atmosphäre schädliche Kohlendioxid in Sauerstoff um.

Im dichten Blätterdach der mittleren Baumkronen leben rund zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten des tropischen Regenwaldes. Im Regenwald gibt es keine Jahreszeiten, es herrschen keine enorme Hitze oder außergewöhnliche Kälte. Auf einer kleinen Fläche wachsen die unterschiedlichsten Arten, auf wenigen Quadratkilometern finden sich mehr Pflanzenarten als in ganz Europa.

Als Sekundärregenwald wird eine Vegetation bezeichnet, die sich nach der Zerstörung des Primärwaldes durch menschliches Eingreifen wie Brandrodung oder durch Umweltkatastrophen ausbildet. Ein lichter Baumbewuchs und starkes Buschwerk sind hierfür die wesentlichen Merkmale. Es sind zudem deutlich weniger Arten vorhanden als im Primärregenwald

Tiere im Regenwald

Die Regenwälder weisen weltweit die höchste Dichte an Tierarten auf. Obwohl nur sieben Prozent der eisfreien Landmassen von tropischen Wäldern bedeckt sind, finden sich hier etwa 50 Prozent aller bekannten Tier- und Pflanzenarten wieder.

Wie viele Arten es tatsächlich sind, weiß niemand so ganz genau. Zweifellos trifft man in den tropischen Regenwäldern jedoch auf die weitaus größte biologische Vielfalt. Ein Grund für die hohe Artenvielfalt, die auch biologische Diversität oder Biodiversität genannt wird, ist die Stabilität des Klimas über das ganze Jahr hindurch.

Wer im Regenwald unterwegs ist, bemerkt allerdings von der Artenvielfalt wenig. Die größeren Tiere sind nur selten zu sehen, die Insekten wie auch die Vögel halten sich vorwiegend ganz oben in den Baumkronen auf und andere kommen erst im Schutz der Nacht aus ihren Verstecken.

Die Tiere mit dem größten Vorkommen im Regenwald sind eindeutig die Insekten, von denen die meisten im Laub- und Kronendach leben. Auf einem Hektar Regenwald werden bis zu 20.000 Insektenarten vermutet.

Der Regenwald beheimatet viele Tiere, die für uns überaus bizarr erscheinen: Der farbenprächtige Tukan mit seinem großen Schnabel, der Quetzal mit seinen langen Schwanzfedern, der leichtgewichtige Kolibri, die grell-bunten Pfeilgiftfrösche oder das träge Faultier mit seinem dichten Pelz. Ihr Aussehen ist jedoch keine Laune der Natur, sondern eine optimale Anpassung der Tiere an ihren Lebensraum. Nur so können sie sich im Regenwald behaupten und überleben.

Wissenschaftler vermuten in den tropischen Regenwäldern heute noch Millionen von unentdeckten Arten, allen voran Insekten. Schreitet die Zerstörung der Tropenwälder fort, werden viele von ihnen bald von der Erde verschwunden sein.

Die Vielfalt in tropischen Regenwäldern ist mit keinem anderen Ökosystem der Welt vergleichbar. Doch mit jedem Stück Lebensraum sterben auch seine Bewohner und mit ihnen eine noch unbekannte Masse an Genmaterial, das der Forschung und Medizin im Kampf gegen Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, AIDS und die steigende Anzahl an Allergien fehlen wird. Speziell im Reich der Insekten wird großes Potential vermutet

Länder mit tropischem Regenwald

Costa Rica, Guatemala, Honduras, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panamá, Puerto Rico

Bolivien, Brasilien, Ecuador, Französisch-Guayana, Guayana, Kolumbien, Peru, Surinam, Venezuela

  • Afrika

Angola, Benin, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Kamerun, Liberia, Madagaskar, Nigeria, Republik Kongo, Sierra Leone, Togo

  • Asien

Indien, Indonesien, Kambodscha, Malaysia, Myanmar, Papua-Neuguinea, Philippinen, Sri Lanka, Thailand, Vietnam


Ungefähr 57 Prozent der gesamten Vorkommen tropischer Regenwälder finden sich in Südamerika wieder. Afrikanische Regenwälder haben einen Anteil von rund 24 Prozent und südostasiatische von 17 Prozent am Weltbestand. Die Regenwälder von Nord- und Mittelamerika nehmen ca. 1% ein. Weiterhin gibt es noch kleine Restbestände tropischer Regenwälder im Norden Australiens, auf Madagaskar und einigen Inseln im Tropengürtel.

Der weltweit größte tropische Regenwald erstreckt sich somit über das Amazonasbecken in Südamerika. Dieses Ökosystem nimmt eine Fläche von ca. 1000 mal 3500 Kilometern ein.

In Costa Rica

In Costa Rica kommt der Tieflandregenwald an der karibischen Küste sowie auf der Halbinsel Osa und im Osten des Talamanca-Gebirges vor. Bergregenwälder finden sich überall ab einer Höhe von ca. 1.800 Metern in den Kordilleren, so z. B. im Nationalpark Braulio Carrillo und im Nationalpark Tapantí. Nebelwald findet man in einer Höhe zwischen 1.800 und 3.000 Metern oben auf dem Vulkan Poás und dem Vulkan Irazú (siehe auch unter Vulkane) und natürlich auch in Monteverde.

Gigantische Bäume von über 30 Metern Höhesind charakteristisch für die Tieflandregenwälder der karibischen Regionen wie Cahuita, Puerto Viejo und Manzanillo sowie die südlichen Pazifikregionen der Halbinsel Osa. Einzelne Exemplare ragen noch darüber hinaus. Ihre weit gefächerten Kronen entfalten die Baumriesen erst ab 18 Metern Höhe. Wind, Regenschauer und stürmische Winde peitschen durch die Baumwipfel, tiefere Vegetationsschichten werden so geschützt. Jedoch erreicht nur wenig Sonnenlicht den Waldboden, der entsprechend spärlich bewachsen ist.

In der gleichbleibend feuchtheißen Luft gedeihen und blühen Pflanzen das ganze Jahr über. Abgestorbene Blätter werden zersetzt, die Nährstoffe von den Wurzeln aufgenommen und zur Bildung neuen Blattwerks genutzt. Dem Boden fehlt dadurch die nährstoffreiche Humusschicht der Wälder in gemäßigten Zonen. Auf Lichtungen nutzen speziell ausgebildete Pflanzen den Lichteinfall, indem sie besonders große Blätter ausbilden. Ein Beispiel ist die Gunnera insignis, die in Costa Rica „sombrilla de probes “ – Sonnenschirm der Armen – genannt wird. Ihre fast runden Blätter haben oft einen Durchmesser von über einem Meter.

Die geheimnisvollen Nebelwälder bestimmen die Höhenlagen über 2.000 Meter wie beispielsweise in Monteverde. Die sehr hohe Luftfeuchtigkeit, verbunden mit kühler Luft, ist typisch für diese Regionen. Moose, Farne, Lianen, Bromeliengewächse und Epiphyten bedecken die Zweige und den Boden mit einem immergrünen Teppich. Bis zu 100 dieser kleineren Pflanzenarten können einen einzigen großen Regenwaldbaum als Wirt nutzen. Schlingpflanzen werden mehrere hundert Meter lang. Sie winden sich um Stämme und Äste und bilden ein gigantisches Netz, dass jungen Bäumen Stabilität verleiht.

Weblinks

Literatur

  • Anton Fischer: Forstliche Vegetationskunde. Blackwell, Berlin, Wien 1995, ISBN 3-8263-3061-7.