Terciopelo-Lanzenotter

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Terciopelo-Lanzenotter
Bothrops-asper.jpg

Terciopelo-Lanzenotter (Bothrops asper)

Reich: Tiere (Animalia)
Abteilung: Gewebetiere (Eumetazoa)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Grubenottern (Crotalinae)
Gattung: Amerikanische Lanzenotter
Art: (Foto) Terciopelo-Lanzenotter
Wissenschaftlicher Name

Bothrops asper

Gefährdungsstufe

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IUCN

Allgemein

Diese im Norden Südamerikas und in Mittelamerika vorkommende relativ große Schlange ist für den überwiegenden Anteil (ca. 90%) an Biss-Unfällen in diesen Regionen verantwortlich.

Aussehen, Verhalten

Die Terciopelo-Lanzenotter, auch Zentralamerikanische Lanzenotter genannt, ist die größte der rund 30 zur Gattung der Lanzenottern gehörenden Schlangen. Sie erreichen eine Länge zwischen 1,20 und, allerdings selten, 2,50 Metern. Ihr Kopf ist groß und besitzt ein lanzenförmiges Aussehen und hebt sich deutlich vom Hals ab. Dessen Oberseite ist braun bis dunkelbraun gefärbt. Ein dunkler Streifen zieht sich am Auge beginnend bis zum Mund. Die Augen dieser Schlange besitzen senkrecht geschlitzte Pupillen. Der zweite der 7 bis 8 Oberlippenschilde grenzt an das Grubenorgan, das als wärmeempfindliches Sinnesorgan der Orientierung dient. Die in 25 - 30 Reihen stehenden Schuppen der Schlange sind stark gekielt. Die Grundfärbung der Schlange reicht von grau über gelbbraun hin bis zu fast schwarz. Auf ihrer Oberseite weist sie dunkle Dreiecke auf, die von einem hellen Saum begrenzt werden. In der Mitte können die Dreiecke miteinander verschmelzen Die Schlange lebt in tropischen Wäldern, auf Zuckerrohrpflanzungen und gerne an den Ufern von Gewässern. Oft dringen sie auf der Nahrungssuche auch in menschliche Behausungen ein. Sie ist nachtaktiv und versteckt sich während des Tages unter Baumstämmen, in hohlen Bäumen, unter Falllaub, unter Steinen und in Erdlöchern. Diese Lanzenotter ist lebend gebärend und bringt bis zu ca. 80 Junge zur Welt. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Kleinsäugern (Ratten, Mäusen u.ä.), Vögeln, Echsen und Fröschen.

Vorkommen, ausländische Bezeichnungen

Wie erwähnt, kommt Sie in Mittelamerika und dem Norden Südamerikas vor, und zwar in: Belize, Costa Rica, West-Ecuador, Guatemala, Honduras, Süd-Mexiko, Kolumbien, Nicaragua, Panamá sowie in Venezuela.

Vermeidung eines Bisses

Da sich die Schlange vor dem Zubeißen aufrichtet, erfolgen die meisten Bisse oberhalb des Knies, so dass hohes Schuhwerk nur bedingt hilfreich ist. Beim Suchen von Pilzen, Beeren oder sonstigen Pflanzen nicht ohne besondere Vorsicht in Gebüsche, Sträucher o. Ä. greifen. Das Tier flüchtet bei einer Annäherung nicht, sondern harrt gut getarnt solange in seinem Versteck aus, bis die betroffene Person direkt vor ihr steht. Eine Vorsichtmaßnahme könnte eine zweite sehr weite Hose über der normalerweise getragenen sein, da sich die Schlange evtl. darin beim Zubeißen verheddert. Die Lanzenotter gilt als sehr leicht erregbar, bei Störungen bewegt sie sich sehr schnell, kann plötzlich ihre Bewegungsrichtungen ändern und versucht dabei zuzubeißen. Für Besucher bzw. Touristen ist das Risiko gebissen zu werden allerdings eher gering. Die meisten Biss-Unfälle geschehen bei Einheimischen bei der Feldarbeit sowie bei Frauen und Kindern in Gärten und sogar in den Hütten bzw. Häusern, wohin die Schlangen dem Menschen oft folgen. Als grob fahrlässig ist allerdings das Nächtigen im Freien in einem Schlafsack anzusehen. Beim Übernachten in Zelten, Wohnwagen oder Autos ist stets Sorge dafür zu tragen, dass alle Zugänge so geschlossen sind, dass die Schlange nicht hinein kann. Vor Übernachtungen in Bambushütten sei gewarnt.

Art des Giftes

Die Giftzusammensetzung unterscheidet sich in Abhängigkeit vom Vorkommen der Schlange, vor allem zwischen denen, die am Atlantik und denen, die am Pazifik leben. Dennoch gibt es eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Die Gifte bestehen aus einer Mischung von hämorrhagischen Anteilen sowie Anteilen die die Blutgerinnung stört bzw. zum Erlegen bringt. Aber das Gift besitzt eine ganze Reihe weiterer Anteile, die teilweise in ihrer Wirkung und Interaktion nur sehr begrenzt erforscht sind. So beinhalten die quergestreifte Muskulatur zerstörende Proteine, so genannte Proteasen, und sogar Metallionen. Die mittlere Menge an pro Biss injiziertem Gift beträgt rund 450 mg (Trockengewicht des Giftes), wobei der der LD50-Wert von Mäusen bei 3,5 bis 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht liegt. Unter dem LD50-Wert versteht man die Menge an Gift, bei der die Hälfte der entsprechenden Anzahl an Mäusen, bezogen auf 1 Kilogramm Körpergewicht der Mäuse, an der Giftwirkung stirbt. Derartige Ergebnisse sind natürlich nur begrenzt auf den Menschen übertragbar. Würde man das Ergebnis dennoch 1:1 auf den Menschen übertragen, so wären, statistisch gesehen, für die Hälfte von vielen 80 Kilogramm schweren Männern zwischen 260 und 320 Milligramm des Giftes tödlich.

Folgen eines Bisses

Schwere Nekrose am Unterschenkel eines elf Jahre alten Jungen, der von einer Terciopelo-Lanzenotter gebissen worden war. Die Aufnahme entstand zwei Wochen nach dem Biss; der Junge war bis dahin nur mit Antibiotika behandelt worden. Das Bein wurde oberhalb des Knies amputiert.

Es muss mit lokalen und systemischen, also den gesamten Organismus betreffenden Folgen, gerechnet werden: Es folgen auf den Biss in der Umgebung der Bissstelle meist sehr schnell starke Schmerzen. Die Haut verfärbt sich rötlich bis blau und es kommt zu starken Schwellungen. Weiterhin kommt es zu Blutungen aus vorhandenen Wunden, wie Kratz- oder Rasierwunden sowie im Mundbereich zu Blutungen im Gebiss. Es entstehen Blasen, die eine meist blutige Flüssigkeit enthalten und nach einigen Tagen aufbrechen. Es bilden sich weiterhin auch großflächige Ödeme aus und wegen der Proteasen geht das Muskelgewebe zugrunde, es entstehen z.T. ausgedehnte Nekrosen. Sie betreffen allerdings meist nur die Oberhaut können sich aber über sehr große Hautareale ausdehnen. Diese erste Symptomatik breitet sich relativ schnell auf die gesamte gebissene Extremität sowie den Körperstamm aus. Die Gabe auch hoher Dosen Antiserum vermag daher diese lokalen Folgen kaum noch wirksam therapieren. Die Wirkung von Antiseren beschränkt sich daher in der Regel primär auf die Therapie der Gift-Wirkungen des systemischen Systems (ganzer Organismus).

Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen, starker Blässe und starkem Herzrasen. Die Lymphknoten schwellen und beginnen zu schmerzen. Die Blutgerinnung wird so massiv gestört, dass es zu einem völligen Zusammenbruch dieser kommt, einer so genannten Verbrauchskoagulopathie. Dadurch kommt es zu inneren Blutungen, z.B. in den Magen-Darmtrakt, den Nieren oder ins Gehirn. Diese Blutungen zusammen mit den ausgedehnten Ödemen können zu einem so starken Blutverlust führen, dass es zu einem lebensgefährlichen hämorrhagischen Schock kommt. Zu neurologischen Symptomen kommt es jedoch nicht. Es sei darauf hingewiesen, dass es sehr wichtig ist, bevor ein Gegenserum verabreicht wird oder andere Maßnahmen ergriffen werden, abzuwarten, ob es sich bei dem Biss um einen Angriffbiss (Jagdbiss) oder einen Verteidigungsbiss gehandelt hat. Bei einem Verteidigungsbiss muss nicht zwangsläufig auch Gift injiziert worden sein. Beim Jagdbiss dagegen ist damit zu rechen, dass eine größere Menge Gift injiziert wurde.

Quelle

Links

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Literaturempfehlungen zu Schlangen / Reptilien
  • Wolfgang Böhme: Amniota, Nabeltiere. In: W. Westheide und R. Rieger: Spezielle Zoologie. Teil 2. Wirbel- oder Schädeltiere. Spektrum, München 2004. ISBN 3-8274-0307-3
  • Roland Bauchot (Hrsg.): Schlangen. Weltbild Verlag, 1994, ISBN 3-8289-1501-9
  • Chris Mattison: Die Schlangen-Enzyklopädie. BLV Verlagsgesellschaft mbH, 1999, ISBN 3-405-15497-9
  • Mark O’Shea: Giftschlangen. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG Stuttgart, 2006, ISBN 3-440-10619-5
  • Wolfgang Böhme et al.: Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas. Band 3/IIB, Schlangen (Serpentes) III. Wiebelsheim: AULA Verlag GmbH, ISBN 3-89104-617-0
  • David Mallow, David Ludwig, Göran Nilson (2003): True Vipers. Natural History and Toxicology of Old World Vipers. Krieger Publishing Company Malabar, Florida, ISBN 0-89464-877-2
  • Ulrich Joger, Nikolai Stümpel (Hrsg.) (2005): Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas; Band 3/IIB, Schlangen (Serpentes) III Viperidae. Aula-Verlag, Wiebelsheim; Seiten 151-185, ISBN 3-89104-617-0
  • Gunther Köhler (2001): "Reptilien und Amphibien Mittelamerikas. Band2: Schlangen: BD 2 (Gebundene Ausgabe)", ISBN 3-98062-145-6



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Literaturempfehlungen zu Schlangen / Reptilien
  • Wolfgang Böhme: Amniota, Nabeltiere. In: W. Westheide und R. Rieger: Spezielle Zoologie. Teil 2. Wirbel- oder Schädeltiere. Spektrum, München 2004. ISBN 3-8274-0307-3
  • Roland Bauchot (Hrsg.): Schlangen. Weltbild Verlag, 1994, ISBN 3-8289-1501-9
  • Chris Mattison: Die Schlangen-Enzyklopädie. BLV Verlagsgesellschaft mbH, 1999, ISBN 3-405-15497-9
  • Mark O’Shea: Giftschlangen. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG Stuttgart, 2006, ISBN 3-440-10619-5
  • Wolfgang Böhme et al.: Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas. Band 3/IIB, Schlangen (Serpentes) III. Wiebelsheim: AULA Verlag GmbH, ISBN 3-89104-617-0
  • David Mallow, David Ludwig, Göran Nilson (2003): True Vipers. Natural History and Toxicology of Old World Vipers. Krieger Publishing Company Malabar, Florida, ISBN 0-89464-877-2
  • Ulrich Joger, Nikolai Stümpel (Hrsg.) (2005): Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas; Band 3/IIB, Schlangen (Serpentes) III Viperidae. Aula-Verlag, Wiebelsheim; Seiten 151-185, ISBN 3-89104-617-0
  • Gunther Köhler (2001): "Reptilien und Amphibien Mittelamerikas. Band2: Schlangen: BD 2 (Gebundene Ausgabe)", ISBN 3-98062-145-6