Taranteln

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Tarantel

Taranteln werden umgangssprachlich Spinnentiere der nicht mehr verwendeten Gattung Tarentula genannt. Benannt wurde diese nach der italienischen Stadt Tarent, in der sie das erste Mal beschrieben wurden. Inzwischen wurden die Arten der Gattung Tarentula auf andere Gattungen aus der Familie der Wolfspinnen aufgeteilt. Die meisten Taranteln gehören den Gattungen Alopecosa und Hogna an. Sie sind weltweit verbreitet.

Vergiftungserscheinungen und auch die Tanzwut (Veitstanz) wurden früher dem Biss der „Taranteln“ zugeschrieben. In Wirklichkeit ist der sehr seltene Biss einer Tarantel für den Menschen zwar schmerzhaft, aber nicht tödlich. Taranteln verursachen neben dem lokal schmerzhaften Biss auch leichte Allgemeinbeschwerden. Systemische Erscheinungen sind sehr selten und schwach. Der Grund, warum gerade Taranteln in dem Ruf stehen, den Tarantismus zu verursachen, dürfte darin zu sehen sein, dass sie in Süditalien sehr häufig und, wie auch die bei uns einheimischen Wolfspinnen, gerade tagsüber im prallen Sonnenlicht häufig anzutreffen sind.

Auch die Entstehung der Tarantella, einem süditalienischen Volkstanz, wurde mit dem Biss der Tarantel in Verbindung gebracht.

Eroberer, die Taranteln aus Südeuropa kannten, übertrugen diese Bezeichnung auf die für sie unbekannten großen Vogelspinnen der Neuen Welt. Im englischen Sprachraum ist tarantula darum für die Vogelspinnen (wie auch für die Tarantel) die geläufige Bezeichnung, die manchmal falsch mit Tarantel übersetzt wird.


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Literaturempfehlungen zu Spinnentieren
  • Peter Ax: Das System der Metazoa. Ein Lehrbuch der phylogenetischen Systematik. Bd 2. Gustav Fischer, Stuttgart 2001. ISBN 3-8274-1179-3
  • Heiko Bellmann: Spinnen, beobachten – bestimmen. Naturbuch, Augsburg 1992. ISBN 3-894-40064-1
  • Richard C. Brusca, G. J. Brusca: Invertebrates. Kap. 19. Sinauer, Sunderland Mass 1990, S. 661 (2.Aufl.). ISBN 0-87893-097-3
  • Rainer F. Foelix: Biologie der Spinnen. Thieme, Stuttgart 1992. ISBN 3-13-575802-8
  • Dick Jones: Der Kosmos-Spinnenführer. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1996. ISBN 3-440-06141-8
  • Ernst Kullmann, Horst Stern: Leben am seidenen Faden. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1981, 1996. ISBN 3-570-00597-6
  • Peter Klaas: Vogelspinnen im Terrarium. Lebensweise, Haltung und Zucht. Ulmer, 2003. ISBN 3-8001-7933-4
  • Gerhard Neuweiler, G. Heldmaier: Vergleichende Tierphysiologie. Bd 1. Neuro- und Sinnesphysiologie. Springer, Berlin 2003, S.164. ISBN 3-540-44283-9
  • Rainar Nitzsche: Spinnen-Spiegelungen in Menschen-Augen. Nitzsche, Kaiserslautern 2004, 2005. ISBN 978-3-930304-65-3
  • Franz Renner: Spinnen ungeheuer - sympathisch. Nitzsche, Kaiserslautern 1990, 2001. ISBN 978-3-980210201
  • Michael J. Roberts: Field Guide. Spiders of Britain and Northern Europe. Harper Collins, London 1995. ISBN 0-00-219981-5
  • Edward E. Ruppert, R. S. Fox, R. P. Barnes: Invertebrate Zoology - A functional evolutionary approach. Kap. 18. Brooks/Cole, Southbank 2004, S.571 (7.Aufl.). ISBN 0-03-025982-7
  • Günter Schmidt: Giftige und gefährliche Spinnentiere. Westarp Wissenschaften, 2000. ISBN 3-89432-405-8
  • Boris F. Striffler: Die Martinique-Baumvogelspinne. Avicularia versicolor. Natur und Tier Verlag, 2004. ISBN 3-937285-42-3
  • Peter Weygoldt: Chelicerata - Spinnentiere. in: W. Westheide: Spezielle Zoologie. Teil 1. Einzeller und Wirbellose Tiere Gustav Fischer, Stuttgart-Jena 1996, 2004. ISBN 3-437-20515-3